Seit dem Frühjahr 2020 befinden wir uns alle in einer Ausnahmesituation. Viele Erwachsene sind seit Beginn der Corona-Krise von Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung betroffen, hinzu kommen oft auch Überlastung und Zukunftsängste. Selbstverständlich hat das auch Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.

Die Psychologin Barbara Kahr antwortet in einem Interview auf die Frage, inwiefern sich die Probleme, mit denen Jugendliche zu kämpfen haben, im Pandemiejahr verändert haben: „In Bezug auf Corona haben sich vor allem Einsamkeit und Ängste abgezeichnet. Außerdem kommt bei vielen Jugendlichen auch das Sozialverhalten, Freundschaften und Liebesbeziehungen zu kurz. Durch das Schließen vieler Jugendtreffpunkte traten Folgen wie vermehrter Streit mit den Eltern, Wut, Langeweile, Essprobleme und Unsicherheit verstärkt auf.“

Dass die Krise besonders ärmeren Kindern zu schaffen macht, zeigen Umfragen wie jene der Volkshilfe Österreich und Studien, die zum Beispiel die Universität Salzburg durchgeführt hat. Im Vergleich zum Vorjahr bewerten heuer doppelt so viele armutsbetroffene Eltern die Lebensqualität ihrer Kinder mit einem „Nicht genügend“. Ein Grund dafür: Die Regierungsmaßnahmen erreichen die Betroffenen nicht. Während zwei von zehn Kindern angaben, trauriger und einsamer als vor der Pandemie zu sein, liegt der Anteil bei Armutsbetroffenen dreimal so hoch. Das liegt daran, dass Kinder mit weniger Geld von Haus aus schon weniger am sozialen Leben teilnehmen können, die Krise hat ihre Lage verschärft.

 

Junge fühlen sich von den politisch Verantwortlichen nicht gehört

Ein bekannter österreichischer Radiosender hat eine Jugendstudie durchgeführt, bei der sich mehr als 35.000 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren beteiligt haben. Rund zwei Drittel der Befragten stimmten der Aussage „Die Probleme der jungen Generation werden von der Politik nicht beachtet“ zu. Mehr als die Hälfte leidet unter den Kontaktbeschränkungen, vor allem jene, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden, erachten die Einschränkungen als schwerwiegender. Die meisten Sorgen bereitet den Jungen die Umwelt (48%), gefolgt von sozialen Unruhen (34%) und finanzieller Sicherheit (31%). Nur die Hälfte denkt, dass das Bildungssystem allen die gleichen Chancen bietet. Das sind erschreckende Ergebnisse, die uns als Kommunistinnen und Kommunisten nicht nur zu denken geben, sondern auch zum Handeln bringen müssen.

 

Noch ist diese Generation nicht verloren

Positiv stimmen kann uns, dass trotz aller Schwierigkeiten und Probleme ein großer Teil der jungen Menschen selbst die Bezeichnung „verlorene Generation“ für übertrieben hält. Klar sein muss aber, dass Kinder und Jugendliche, deren psychische und physische Gesundheit unter den Maßnahmen gelitten hat und deren Stress- und Belastungsreaktionen zugenommen haben, Hilfsangebote und Unterstützung brauchen. Dafür müssen wir uns überall dort, wo es möglich ist, einsetzen. Die KPÖ Steiermark hat sich gemeinsam mit der Organisation Kinderland verstärkt mit dem Thema „Kinder und Jugendliche in Zeiten der Coronapandemie“ auseinandergesetzt. Wir wollen jungen Menschen eine Stimme geben, Angebote machen, politische Initiativen setzen, Forderungen erheben und alle Einrichtungen unterstützen, die mit ihrer Arbeit für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen da sind.

 

Konkrete Hilfe, Unterstützung und Aktionen

Robert Krotzer, KPÖ-Gesundheitsstadtrat in Graz, hat zuletzt in der Wochenzeitung „Der Grazer“ darauf hingewiesen, dass „ein flächendeckendes psychotherapeutisches Angebot auf Kasse ein Gebot der Stunde ist“. Dementsprechend haben auch bereits einige unserer Gemeinderäte und Gemeinderätinnen die Forderung „Für einen raschen Ausbau der kostenfreien psychischen Beratung-, Betreuungs- und Behandlungsangebote“ in ihren Gemeinden eingebracht. Auf Landesebene setzen wir uns seit Jahren konsequent für eine bessere Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein und sind mit der steirischen Jugendanwältin in regelmäßigem Austausch, um auch ihre Anliegen in den Landtag zu bringen. Wichtig ist es zusätzlich, dass wir vorhandene Angebote auch über unsere Medien publik machen, damit die Menschen, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen, auch erfahren, wohin sie sich wenden können.

Wir unterstützen das Konzept des Steirischen Landesjugendbeirates, das vor allem darauf abzielt, den Jungen durch Angebote von Kinder- und Jugendorganisationen Räume zu geben, um sich entfalten zu können und die negativen Auswirkungen der Pandemie hinter sich zu lassen. Ebenso wichtig sind die Einrichtungen der offenen Jugendarbeit wie z.B. Jugendzentren. Sie haben in den letzten Monaten Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt, die den Besuch ohne Sorgen möglich machen.

Mit dem Youtube-Kanal „Auf Augenhöhe“ (auch auf Facebook zu sehen) wollen wir Kinder und Jugendliche selbst zu Wort kommen lassen. Noch vor dem Sommer ist eine solche Folge geplant.

Die Bekämpfung der steigenden Kinderarmut wird uns weiterhin beschäftigen. Von Forderungen und Initiativen, die damit in Zusammenhang stehen, wie die Einführung einer landesweiten Sozialcard, Mietzinsobergrenzen, keine Erhöhung von Gebühren und Preisen bei öffentlichen Verkehrsmittel, – um nur einige Beispiele zu nennen, werden wir keinen Abstand nehmen. Im Gegenteil: Wir werden wiederholt darauf hinweisen, dass dies notwendige Maßnahmen sind, um das Leben der Menschen zu verbessern. Auch der Forderung nach einem Modell für eine Kindergrundsicherung werden wir Nachdruck verleihen.

Zusätzlich wollen wir Kindern und Jugendlichen auch mit Aktionen Raum geben.

 

Raus aus der Opferrolle

Experten und Expertinnen aus der Jugendpsychologie und den Jugendanwaltschaften sind sich über weite Strecken einig: Die sozialen Einschränkungen, Homeschooling und Distance Learning treffen Kinder und Jugendliche hart. Einig sind sich ExpertInnen aber auch darüber, dass es nichts bringt, wenn man junge Menschen in die Opferrolle drängt. „Gerade Kinder sind resilient und stark und können die Krise auch gut bewältigen“, plädiert Gerald Friedrich, Leiter des psychologischen Dienstes des Amts für Jugend und Familie der Stadt Graz. Die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt stellt fest: „Die Schüler und Schülerinnen haben insgesamt bewiesen, dass sie in dieser schwierigen Coronazeit Großartiges geleistet und ganz spezifische Skills erlernt haben.“

Jetzt geht es darum, rasche und zielgerichtete Maßnahmen zu setzen, um Kinder und Jugendliche bestmöglich zu unterstützen und Freiräume zu schaffen und jene, die in finanziellen Schwierigkeiten sind, brauchen ebenso unsere Hilfe.

In diesem Sinne wollen wir uns, gemeinsam mit unseren befreundeten Organisationen, einsetzten. Für die Rebellen und die Superheldinnen, denn noch ist diese Generation nicht verloren!

Quelle: KPÖ Steiermark – Rebellen, Superheldinnen oder „verlorene Generation“?