Nachdem bekannt wurde, dass bei den Koalitionsverhandlungen zur zukünftigen Bundesregierung darüber geredet wird, die Deutsche Bahn AG zu zerschlagen, wenden sich ver.di-Vertreter*innen bei der Hamburger Hochbahn AG mit einem offenen Brief an Hamburgs Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks.

Aus Sicht von ver.di sind die öffentlich bekannt gewordenen Überlegungen gefährlich und ein eindeutig falsches Signal, so die Expert*innen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Eine Zerschlagung der Deutschen Bahn AG sei weder im Interesse der Beschäftigten, noch im Sinne der Fahrgäste.

„Gemeinsam mit anderen Gewerkschaften mussten wir lange dafür kämpfen, dass der ÖPNV als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge behandelt wird und kein Ort für Profite ist. Und jetzt sollen dieselben ‚alten‘ Fehler im Fernverkehr gemacht werden? Natürlich verunsichert das die Beschäftigten in der ganzen Branche. Wo Profite im Fokus stehen, wird selten an das Gemeinwohl gedacht. Was die Beschäftigten und die Bevölkerung von der neuen Bundesregierung erwarten, ist ein klares Bekenntnis zum öffentlichen Personenverkehr, keine neoliberalen Irrwege aus der Mottenkiste,“ betont Gabriel Riesner, Gewerkschaftssekretär ver.di HH.

Auch bei den ver.di-Vertrauensleuten der Hamburger Hochbahn AG haben diese Nachrichten für Bestürzung gesorgt:

„Wir haben bei der Hochbahn erlebt, was Deregulierung im Sinne eines europaweiten Marktes bedeutet. Die Arbeitsbedingungen wurden schlechter, die Löhne niedriger. Am Personal wird bis zur letzten Stellschraube gespart. Das macht die Arbeit unattraktiv und verbreitet Unsicherheit. Motivierte Kolleginnen und Kollegen lassen sich so nur schwer finden, das Problem spüren wir als Fachkräftemangel noch heute,“ so Thorsten Hukriede, Sprecher der Vertrauensleute bei der Hamburger Hochbahn AG.

Aus diesem Grund haben sich die ver.di-Vertrauensleute mit einem offenen Brief an Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hochbahn ist, gewandt und um Unterstützung gebeten.

„In Hamburg haben wir einen starken ÖPNV und einen Senat, der den Ausbau und den Hamburg-Takt zum politischen Ziel erklärt. Im Interesse einer nachhaltigen Verkehrswende muss deshalb aus unserer Sicht der ÖPNV weiterhin der politischen Steuerung unterliegen. Es ist daher umso befremdlicher, worüber in Berlin geredet wird. Wir können nur hoffen, dass diese Überlegungen wieder vom Tisch gewischt werden und wenn Senator Tjarks dazu seinen Beitrag leisten kann, können wir das nur begrüßen. Wir brauchen in Hamburg und bundesweit einen öffentlichen Nah- und Fernverkehr, der für alle Menschen erschwinglich und breit ausgebaut ist. Profitinteressen sind da fehl am Platz!“ unterstreicht Sieglinde Frieß, stellvertretende ver.di HH Landesbezirksleiterin.

Quelle: ver.di Hamburg – Offener Brief an Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks