Die Pflegenden der Gießener Covid-Intensivstation der Universitätsklinik Gießen Marburg UKGM haben ein Schreiben verfasst. Es trägt den Titel „Weckruf“ und ist ein Dokument der Verzweiflung.

Die Gießener Intensiv-Station 2.5 hat bundesweit mit die meisten Covid-Patient*innen zu versorgen gehabt. Sie wird deshalb auch „Covid-City“ genannt. Die Pflegenden richten sich abermals auf eine harte bevorstehende Zeit ein.

In dem Schreiben heißt es:

„Ja toll, dann kündige ich halt und lass mich neu einstellen, dann bekomme ich auch 5000 Euro!“

Diesen Satz konnte man die letzten Tage oft hören, als Reaktion von Pflegekräften des UKGM auf die Stellenausschreibung an neues Pflegepersonal für unsere Intensivstationen.

Diese Maßnahme zur Anwerbung neuer Pflegekräfte, von konkurrierenden Häusern schon länger als Anreiz genutzt, zeigt offensichtlich, dass es zunehmend auch für das UKGM schwerer wird, offene Stellen kompetent zu besetzen. Der Markt ist leergefegt.

Der „Pflexit“ geht durch das Land, zu Tausenden steigen Pflege(fach)kräfte aus dem Beruf aus und suchen sich Betätigungsfelder außerhalb der direkten Patientenbetreuung oder reduzieren ihre Stellen.

Es wird für Ausbildungsstätten immer schwieriger die Kurse zu füllen, und selbst diejenigen, die die Ausbildung bis zum Ende durchstehen, verbleiben immer öfter nur kurz im Beruf;

Viele beginnen ein Studium,

  • Weil sie sich nicht vorstellen können den Beruf länger auszuüben.
  • Weil sie schon während der (praktischen) Ausbildung oft als Lückenfüller agieren müssen.
  • Weil sie sich Situationen ausgesetzt sehen, in denen geplante, qualitative, dem Patienten/der Patientin zugewandte Pflege aufgrund der Umstände schlicht unmöglich ist.

Je nach Region mussten schon viele Häuser Betten abmelden. Ganze Intensivstationen, mit modernsten Räumlichkeiten und medizinischen Geräten können nicht mit Patientinnen belegt werden weil das Personal fehlt.

Den ganzen Weckruf im Download

Quelle: ver.di Hessen – Weckruf – Manifest Pflegeteam Covid-Intensivstation Gießen