Dieser Jahrestag wird in den Mainstream-Medien ganz sicher nicht die gebührende Erwähnung, geschweige denn Würdigung finden, zumal deren Redakteure viel zu sehr damit beschäftigt sind, »ihre« Wahrheit über den Krieg in der Ukraine und über russische Verstöße gegen Menschenrechte zu verkünden. Die wäre eine Abhandlung darüber, daß die USA, und mit ihnen große Teile des »freien und demokratischen Westens«, seit nunmehr 60 Jahren grundlegende Menschenrechte des kubanischen Volkes verletzen, wohl kaum angebracht.

Als im Januar 1959 die Rebellenarmee unter der Führung von Fidel Castro, Camilo Cienfuegos, Ernesto Che Guevara und Raúl Castro siegreich in die kubanische Hauptstadt Havanna einzog und der von den USA gehätschelte Diktator Batista unter Mitnahme großer Mengen Dollars fluchtartig das Land verließ, hoffte man in Washington noch darauf, daß man auch mit einer neuen Regierung auf der 90 Meilen vor Florida gelegenen Zuckerinsel zurechtkommen würde. Immerhin hatten sowohl Geheimdienste als auch die nordamerikanischen Mafiaclans seit Jahrzehnten ihre Netzwerke über Kuba gespannt.

Aber als dann deutlich wurde, daß die neue Regierung in Havanna Schritt für Schritt begann, die von Fidel Castro noch im Exil aufgestellten Grundforderungen der Rebellenbewegung »26. Juli« per Gesetz und Verordnung in die Praxis umzusetzen, und vor allem mit der Enteignung dessen begann, was US-amerikanische Unternehmen als ihr Eigentum betrachteten, läuteten in Washington und Langley die Alarmglocken. Eilig wurden Pläne geschmiedet, wie man der Lage auf der rebellischen Insel noch Herr werden könnte. Ehemalige Offiziere und Soldaten der Batista-Truppen formierten sich mit Hilfe der CIA und des Pentagon zu einem Expeditionskorps, das schließlich mit Unterstützung der US Navy und der US Air Force bei Nacht und Nebel an der kubanischen Küste landete, allerdings innerhalb weniger Stunden von der kubanischen Revolutionsarmee zerschlagen wurde. Der Strand, an dem der USA-Imperialismus eine erste militärische Niederlage im eigenen Hinterhof hinnehmen mußte, trug übrigens schon vor dem Invasionsversuch der Contras den Namen Schweinebucht…

Seitdem unternahmen US-amerikanische Geheimdienste tausendfach Versuche, durch Sabotage, Propaganda und Mordanschläge die Entwicklung Kubas zu einem eigenständigen Staat aufzuhalten. Dem heute noch als ach so progressiv betrachteten USA-Präsidenten John F. Kennedy riß schließlich der Geduldsfaden, als bekannt wurde, daß Fidel Castro in einer Rede in Havanna den sozialistischen Charakter der kubanischen Revolution verkündete. Das konnten und wollten die USA unmittelbar vor der eigenen Haustür nicht dulden. »Blockade Cuba« notierte Kennedy in jenen Tagen auf einem Notizzettel, und mit dem 24. März 1962 wurde diese Notiz zur offiziellen USA-Politik.

Der Schaden der totalen Wirtschafts- Handels- und Finanzblockade ist enorm, er hat sich in 60 Jahren auf mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar summiert. Und trotz aller Höhen und Tiefen, auch nach dem Verlust der verbündeten sozialistischen Staaten in Europa, hat das kubanische Volk dem Druck standgehalten.

Allerdings wäre angesichts der aktuellen Situation auch daran zu erinnern, daß die Generalversammlung der UNO jedes Jahr eine Resolution beschließt mit der Forderung nach Beendigung der völkerrechtswidrigen Blockade, die USA-Administration jedoch keinen Gedanken daran verschwendet, diesen Beschluß zu beachten oder gar umzusetzen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek