Kommentar zur Bundestagsentscheidung, die ukrainische Hungerkatastrophe Holodomor als Völkermord zu kennzeichnen

Mit ihrer Geschichtspolitik zielt die ukrainische Führung darauf, jede Einbindung des Landes in die sowjetische Geschichte zu negieren. Gemeinsame Feiertage wurden gestrichen; geografische Namen, die an die sowjetische Geschichte erinnern, wurden durch ukrainische Bezeichnungen ersetzt. Darüber hinaus soll der nicht geringe Teil der Ukrainer, der sich der russischen Kultur verbunden fühlt, sich davon verabschieden, indem der öffentliche Gebrauch der russischen Sprache untersagt oder zumindest erschwert wird, Denkmäler für Schriftsteller wie Puschkin oder Bulgakow abmontiert werden.

Angesichts des russischen Angriffskrieges erscheint das manchem als nachvollziehbar. Es bleibt aber eine nationalistische Interpretation der eigenen Geschichte: Aus dem historischen Gedächtnis soll gestrichen werden, dass Ukrainer an der sowjetischen Geschichte, an ihren hellen wie auch an den dunklen Seiten, beteiligt gewesen waren. (…)

Niemandem hilft es, wenn mit grobem Stift Hitler mit Stalin, Stalin mit Putin gleichgesetzt werden. Die damaligen Verbrechen haben eine andere Ursache als die heutigen. Der Wunsch nach Solidarität darf nicht die nüchterne Analyse verdrängen.

Quelle: nd.Der Tag / nd.Die Woche via Presseportal