Heute ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Viele meinen, das sei hierzulande kein so großes Problem. Ein Blick auf die Zahlen zeigt sofort, dass das nicht stimmt: Knapp ein Viertel aller Frauen in Deutschland erleben im Laufe ihres Lebens irgendwann einen sexuellen Übergriff.

Ob sexuelle oder nicht-sexuelle Gewalt, ein Großteil der Gewalt gegen Frauen spielt sich im eigenen Haushalt ab, oft geht sie vom Partner aus: Allein 2019 registrierten Polizei und Justiz über 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft, wobei die Opfer in 81% der Fälle weiblich waren. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen. Etwa jeden dritten Tag wurde eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet.

Durch die Corona-Pandemie verschärft sich diese Problematik noch: Während der Pandemie verzeichneten Hilfe-Telefone einen deutlichen Anstieg der Anrufe von Frauen, die sich häuslicher Gewalt ausgesetzt sahen. Einerseits führt die durch Corona verschärfte Wirtschaftskrise zu erhöhter ökonomischer Unsicherheit. Finanzielle Sorgen verschärfen familiäre Konflikte und begünstigen häusliche Gewalt. Andererseits entfällt durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ein wesentlicher Teil der sozialen Kontrolle: Frauen, die in missbräuchlichen Partnerschaften leben, sind ihren Partnern in noch stärkerem Maße ausgeliefert, je mehr Zeit gemeinsam in der Wohnung verbracht wird und je weniger soziale Kontakte außerhalb der Wohnung stattfinden. Gewalt ist eben keine reine Privatangelegenheit, sondern hat oft gesellschaftliche Ursachen.

Die Aufrufe in Politik und Medien, die vor diesen Zuständen warnen, sind vor allem eines: heuchlerisch! Diejenigen, die genau die unsoziale Politik machen und propagieren, die so viele Frauen in ein ökonomisches Abhängigkeitsverhältnis von ihren Partnern zwingt und deren Corona-Bekämpfung auf dem Rücken der arbeitenden Menschen stattfindet, anstatt sie zu entlasten, wundern sich nun anscheinend darüber, dass Frauen noch mehr Gewalt erleben.

Was wirklich gegen häusliche Gewalt helfen würde, wäre eine Politik, die Frauen aus der ökonomischen Abhängigkeit von ihren Partnern befreit und die Familien in der Pandemie entlastet, anstatt Krisenkosten auf den Einzelnen abzuwälzen.

– Schaffung von Rückzugsräumen für betroffene Frauen: Leerstehende Hotels müssen zur Verfügung gestellt werden!

– Sofortige Entlastung von Familien: Pandemiegerechte Betreuung in Schule und KiTa statt wackelige Hygienekonzepte ohne ausreichende Ausstattung!

– Die Befreiung von Frauen aus Abhängigkeit und Unterdrückung braucht vor allem ökonomische Unabhängigkeit: Echte Gleichstellung statt Nebelkerzen-Diskussionen um Frauenquoten in Vorständen.

Quelle: SDAJ – Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen