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UEFA-Aprilscherz im Dezember?

Bereits als die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahre 2010 an die Golfmonarchie Katar vergeben wurde, ahnten viele, daß es hier nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Und so war es auch: Mindestens drei FIFA-Funktionäre waren von der Katar 2022-Bewerbung geschmiert worden, um ihre Stimme entsprechend einzusetzen. Nun geschehen derartige Vergaben in den letzten Jahren mit einer gewissen Regelmäßigkeit: Die russische Bewerbung war ebenso schal im Geschmack, wie die deutsche Bewerbung um die WM 2006, bei welcher wir erst vor wenigen Jahren erfahren durften, daß auch für das »Sommermärchen« Hände aufgehalten wurden.

Nun darf es, abgesehen von der Vergabepraxis, auf sportlichem Plan keinen Vorwurf geben, Katar sei im Fußball ein unbeschriebenes Blatt. Hier geht es jedoch keineswegs um Missionarsarbeit in Sachen Ballsport, denn Katar ist über eigene Stiftungen mittlerweile ein Staubsauger für Großereignisse. In Erinnerung bleibt vor allem die skurrile Handball-Weltmeisterschaft 2015, bei welcher ein teils aus Spielern europäischer und weltweiter Herkunft zusammen gewürfeltes Nationalteam antrat.

Aber die Monarchie hat auch mitten in Europa ihre Finger im Fußball, wie beispielsweise beim FC Barcelona oder Paris Saint-Germain. Insgesamt ist zu beobachten, daß Katar dort einspringt, wo etwa europäische Investitionen sich zurück ziehen: Bei sportlichen Großereignissen und Fußballteams mit großen Namen. Dadurch versucht der Golfstaat mit dem zweifelhaften Menschenrechts-Image international seine Reputation aufzupolieren.

Was die kommende Fußball-WM in dem kleinen Land betrifft, spielen auch Umweltfragen offenbar keine Rolle: Während die Menschen in Europa zu einer klimaschonenden Lebensweise gedrängt werden, die für den einzelnen Haushalt durchaus mit erhöhtem Aufwand verbunden ist, scheint bei dieser WM niemand den Finger zu heben, wenn Stadien im Wüstenstaat mit großem CO2-Aufwand heruntergekühlt werden, damit man nicht vor Hitze zerfließt. Dies tut der Zuschauer in acht nagelneuen Prachtbauten, die für rund 6 Milliarden Euro aus dem Boden gestampft wurden und vermutlich nach dem Turnier keinen Nutzen mehr haben. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Auch bei den Umständen, wie die Infrastruktur für diese WM errichtet wurde, regte sich bei vielen Fußballfans Ärger: Zwar hat die »Lichtgestalt« des deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer, erklärt, beim Champagnerschlürfen in einem der Business-Türme keine Zwangsarbeiter gesehen zu haben, dennoch bewiesen Menschenrechtsorganisationen und investigativer Journalismus das Gegenteil. Die größtenteils aus Südost-Asien stammenden Arbeiter mußten, in extremem Elend hausend, die Stadien hochziehen, in denen sich die Funktionäre und jene Fans, die das Spielchen aus Gier und Schiebung noch mitmachen, die Spiele anschauen.

Um dem Gastgeber in Sachen Image nun unter die Arme zu greifen und in Europa Werbung für dieses Turnier zu machen, kamen die Schlipsträger der UEFA auf die glorreiche Idee, die katarische Nationalmannschaft, die als Gastgeber automatisch qualifiziert ist, als Gast außerhalb der Wertung in einer der Qualifikationsgruppen Europas mitspielen zu lassen. Die Wahl fiel auf die Gruppe A, in welcher Portugal, Serbien, Irland und … Luxemburg um den Einzug in die Endrunde streiten. Auch wenn die luxemburgische Fanszene bei aller Leidenschaft natürlich nicht so groß ist, wie jene der Nachbarländer, zeigten Reaktionen in sozialen Netzwerken bereits am Dienstag, was die Anhänger der »Roud Léiwen« von diesem schlechten Aprilscherz der UEFA mitten im Dezember halten. Man wird bei den Verantwortlichen wohl froh sein, wenn Corona es verhindert, daß die Zuschauer im März ihren Unmut im Stadion in Kockelscheuer zum Ausdruck bringen können.

Christoph Kühnemund

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Unser Leitartikel: <br/>UEFA-Aprilscherz im Dezember?

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