Wie beim Rückzugsgefecht einer geschlagenen Armee hinterläßt die Truppe um den abgewählten USA-Präsidenten verbrannte Erde, wo immer es nur geht. Seien es die oft wahllos torpedierten Beziehungen zur EU und zur NATO, der immer wieder eskalierende Handelskrieg mit China, die Mitgliedschaft in der UNO und deren Spezialorganisationen, das Anheizen der Spannungen im Bereich des Mittleren Osten, das Pfeifen auf die wenigen noch bestehenden Maßnahmen zur Abrüstung und Rüstungskontrolle oder auf nationalem Gebiet das Zuspitzen der Spaltung der Gesellschaft und das totale Chaos bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie – wo immer es möglich war, haben die Trump-Leute ein Trümmerfeld hinterlassen.

Es böte sich an, hier von Trumps letztem Gefecht zu schreiben, doch das wäre verfrüht. Immerhin bleibt noch ein ganzer »Arbeitstag«, an dem noch eine Menge Schaden angerichtet werden kann, und zudem ist damit zu rechnen, daß auch nach der Amtsübergabe noch mehr Porzellan zerschlagen wird oder noch weitere Scherben entdeckt werden. Derartig desaströs ist wohl bisher kein Präsident der USA aus dem Amt geschieden. Die Tatsache, daß Trump am Mittwochmorgen die USA-Bundeshauptstadt verlassen will – vermutlich in Richtung eines seiner Golfplätze – zeugt davon, wie wenig ernst dieser Mann das Amt und dessen Bedeutung nimmt.

Donald Trump war nie wirklich Präsident der USA, er war vielmehr ein Trampel am Präsidentenschreibtisch. Nach Berichten von Vertrauten hat er im Oval Office ohnehin nicht sehr viel Zeit verbracht, denn es war ihm wichtiger, Tausende Tweets an seine Follower hinauszuschicken und im Fernsehen zu beobachten, wie über ihn berichtet wurde. Seine Reden, Erklärungen, Dekrete drehten sich vorwiegend darum, vor aller Welt zu verkünden, wie großartig es doch sei, daß dank dieses großartigen Präsidenten »Amerika« wieder großartig geworden sei.

Mit wirklicher Politik hatte seine Regentschaft nicht viel zu tun. Politik wird zuweilen als »Kunst des Möglichen« definiert. Bei Trump ging es eher um die Kunst, alles Mögliche für das Wohl seiner Unternehmen, seiner Bankkonten und seiner Familie zu tun. Es ist zwar in den USA durchaus üblich, daß im Weißen Haus immer etliche Posten für Mitglieder der engeren Familie besetzt oder sogar extra geschaffen werden, aber man müßte wahrscheinlich weit in die Geschichte zurückgehen, um einen Präsidenten zu finden, der sich wie Trump mit Verwandten umgeben hat, die ohne jedes Mandat Entscheidungen des Präsidenten vorbereitet und umgesetzt haben.

Als 1981 der zweitklassige ehemalige Schauspieler Ronald Reagan das Präsidentenamt übernahm, dachten viele, daß nun ein Tiefpunkt in der Geschichte der Politik der USA erreicht sei. Doch bei aller Beschränktheit war selbst Reagan fähig, sich mit etlichen einigermaßen klugen Leuten zu umgeben, die in der Lage waren, ihm zuweilen einen vernünftigen Rat zu geben. Bei Trump galt und gilt nur als vernünftig, was er sich selbst ausgedacht hat, und die wenigen Profis, die versuchten, ihm zuweilen einen Rat zu geben, hatten keinen leichten Stand oder wurden kurzerhand gefeuert.

Der neue Präsident Joe Biden muß im Vergleich dazu für viele wie ein Hoffnungsträger erscheinen. Doch wie weit sein Interesse, seine Bereitschaft und seine Fähigkeit gehen werden, die übernommenen Trümmerfelder wirklich aufzuräumen, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahrzehnten hat sich immer wieder gezeigt, daß es trügerisch ist, irgendwelche Hoffnungen in einen Präsidenten der USA zu setzen.

Uli Brockmeyer

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Unser Leitartikel: <br/>Verbrannte Erde