Mit zwei Drittel Zustimmung hat Siegfried Wolf (rund 520 Millionen € schwer) gerechnet, geworden sind es 63,9 % gegen seine Pläne. Die Beteiligung an der Urabstimmung lag bei 94 Prozent. Vor lauter Schreck sagte der Widerspruch eher nicht gewöhnte Manager ein geplantes Live-Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal ab.

Die über 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stammbelegschaft und Leiharbeitskräfte) im MAN-Werk in Steyr stimmten darüber ab, ob sie einer Übernahme des Standorts durch Wolf zustimmen. Einzige Alternative laut Firmenzentrale in München: Schließung, tausende Arbeitslose und insgesamt ein schwerer Schlag für die gesamte Region. Denn die Produktion will man künftig ins Niedriglohnland Polen verlegen. Die Standort- und Beschäftigungszusage bis 2030 hatten die nach noch höheren Profiten gierenden Bosse einfach gekündigt.

Der ehemalige Magna-Vorstand Siegfried Wolf hätte nun gerne den Standort Steyr übernommen – wenn mindestens 600 Arbeitsplätze vernichtet und die Nettolöhne um 15 % gesenkt werden. Diese erpresserische Abstimmung war absichtlich so ausgelegt, dass keine Option im Sinne der Belegschaft zur Disposition stand. Und doch haben die Kolleginnen und Kollegen klar entschieden: Nein zur Erpressung durch Wolf, und ein klares Nein dazu, dass sich MAN einfach um gemachte Zusagen drückt.

Es war eine schwierige Abstimmung für die Belegschaft. Dass diese Wahl zwischen Pest und Cholera als Lösung verkauft wurde, ist ein Armutszeugnis für den „sozialpartnerschaftlichen“ Kurs der Gewerkschaftsspitze, die sich viel zu lange schon das MAN-Management umschmeichelt und herumlaviert, statt echte Kampfmaßnahmen zu setzen. Zugleich zeigt das klare Votum aber, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht jeder Erpressung nachgeben. Wenn es jetzt aber nicht nur ein minimal weniger schlechtes „Angebot“ von MAN, Wolf oder einem anderen Ausbeuter in spe geben soll, muss mit den Bossen eine andere Sprache gesprochen werden.

Quelle: Zeitung der Arbeit – MAN-Belegschaft lässt sich nicht erpressen