Die ganze Welt schaut besorgt auf Omikron, die neue Variante des Coronavirus. Noch ist nicht klar, wie „besorgniserregend“ sie wirklich ist. Omikron könnte infektiöser sein als Delta. Hektisch überlegen Regierende nun, was zu tun sei, Grenzen werden geschlossen. Doch wahrscheinlich hat sich das Virus vorher schon unentdeckt verbreitet. Und der Knackpunkt liegt ohnehin woanders: Eine Impfung scheint auch bei der Mutation gut gegen schwere Verläufe zu schützen. Nur ist die Impfquote in Deutschland mit knapp 70 Prozent nicht ausreichend und in ärmeren Ländern ist sie kaum vorhanden: Nur sechs Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen haben mindestens eine Dosis erhalten. Damit ist die Impfquote in Südafrika mit 24 Prozent noch überdurchschnittlich für den Kontinent. In Afghanistan liegt die Impfquote bei neun, in Syrien bei vier, in Haiti unter einem Prozent.

Solange sich das Virus global fast ungehindert ausbreiten kann, werden immer neue Mutationen entstehen. Um die Pandemie wirklich zu beenden, wäre eine gerechte Verteilung des Impfstoffs weltweit eine Notwendigkeit – und keine altruistische Geste. Doch die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der Maßstab staatlichen Handelns in Europa auch in einer Pandemie der Profit europäischer Konzerne ist, und nicht die Gesundheit der Bevölkerung.

Deutschland und die EU haben gegen den Vorschlag aus Indien und Südafrika votiert, die Patentrechte für Covid-19-Impfstoffe vorübergehend auszusetzen. Von der angekündigten einen Milliarde Impfstoffdosen, die im Rahmen der Covax-Initiative an ärmere Länder abgegeben werden sollten, sind erst 15 Prozent eingetroffen. Wie auch immer sich die Variante weiter verbreiten wird, klar ist: In Südafrika wurde die Variante entdeckt, gebracht haben sie uns unsere Regierungen.

Quelle: nd.DerTag / nd.DieWoche (ehemals Neues Deutschland) – nd.DerTag: Konzernprofite über alles – Kommentar über die globale Ausbreitung der neuen Corona-Variante Omikron