Eine Lüge bleibt eine Lüge, auch wenn man sie noch so oft wiederholt. Auch die Umkehrung der Wahrheit ist am Ende eine Lüge. Wer die Ukraine massiv aufrüstet, in der Ukraine Stützpunkte für Truppen aus NATO-Ländern einrichtet, Dutzende Manöver mit Beteiligung von Soldaten aus NATO-Ländern durchführt, ukrainische Soldaten und Söldner durch NATO-Instrukteure für eine Rückeroberung verloren gegangener Gebiete ausbildet und dazu tagtäglich über eine »engere Anbindung« der Ukraine an die NATO redet und eine NATO-Mitgliedschaft in Aussicht stellt, sollte sich nicht wundern, wenn die Streitkräfte der Russischen Föderation sich auf einen militärischen Konflikt vorbereiten.

Wenn an den westlichen Grenzen Rußlands ständig Manöver von NATO-Truppen stattfinden, dort quasi reguläre NATO-Strukturen und Waffensysteme stationiert werden – übrigens mit Beteiligung der Armee Luxemburgs – sollte sich nicht darüber aufregen, wenn die Streitkräfte auf der anderen Seite der Grenze ebenfalls Manöver durchführen, bei denen ein möglicher Angriff als Szenarium dargestellt wird.

Wer unter Beachtung dieser Situation Manöver russischer Streitkräfte auf eigenem Territorium (!) als Vorbereitung auf einen Angriff darstellt, macht sich der Lüge schuldig. Wer diese Lüge dann täglich Dutzende Male in Reden von Politikern und in Meldungen sämtlicher Medien verbreitet und als »Begründung« für Sanktionen, für die Androhung von »Vergeltung« und für weitere Aufrüstung nutzt, macht sich der Kriegshetze schuldig.

Von der NATO sind wir das seit den Jahren des Kalten Krieges gewohnt, das hat sich auch nicht wesentlich geändert, nachdem vor dreißig Jahren ein seitdem im »Westen« sehr verehrter sowjetischer Präsident einseitig das »Ende des Kalten Krieges« proklamiert hatte. Auch die USA haben diese politische und militärstrategische Linie niemals aufgegeben. Jetzt aber ist die Europäische Union – und wir sollten nicht vergessen, daß dieses politische Gebilde einst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde – dabei, kräftig die Kriegstrommeln gegen Rußland zu rühren.

Dafür ist auch den Damen und Herren in der EU-Zentrale unter Führung der früheren deutschen Kriegsministerin Ursula von der Leyen absolut jedes Mittel recht. Die Lügen der namentlich nicht genannten westlichen Geheimdienste über einen »russischen Truppenaufmarsch« und eine »bevorstehende Aggression« werden wortgetreu übernommen und dazu genutzt, Drohungen in Richtung Moskau auszustoßen. Und da man einmal im Bedrohungswahn ist, werden die Volksrepublik China und der Pariastaat Belarus gleich mit einbezogen.

Das alles erinnert fatal an die Situation im Jahre 1914. Die Welt war damals in Machtbereiche aufgeteilt, die Kolonien waren »vergeben«. Deutschland, das sich erst wenige Jahre zuvor, nämlich am Ende des Krieges gegen Frankreich 1871 mit der Kaiserkrönung im Schloß von Versailles zu einem Staat konstituiert hatte, war bei der Aufteilung zu spät gekommen. Der Ausweg hieß Krieg. »Jeder Schuss ein Russ« grölten deutsche Soldaten damals… »Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor« war die Maxime der Politik.

Heute ist die Rede von »Vergeltung« für einen möglichen russischen Angriff. Es geht um nichts anderes als um den Kampf um Einfluß, Ressourcen, Macht…

Wer heute einen großen, weitaus verheerenderen Krieg als den von 1914 verhindern will, muß gegen die alltägliche Lüge ankämpfen.

 Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Kampf um die Neuaufteilung der Welt