Atomare Gefahr in der Ukraine – Ärzteorganisation fordert Abzug aller Truppen

Elf Jahre nach dem Super-Gau
Die mehrfache Katastrophe von Fukushima hat vor elf Jahren in Deutschland zu der Erkenntnis geführt, dass Atomenergie nirgendwo sicher zu betreiben ist. Für die Ärzt*innenorganisation IPPNW zeigt der Ukrainekrieg erneut die dringliche Notwendigkeit, sich von Atomenergie und fossilen Energien unabhängig zu machen. Von den vier ukrainischen Atomkraftwerken mit insgesamt 15 Reaktorblöcken geht eine große Bedrohung für das Leben und die Gesundheit aus. „Raketeneinschläge in der Nähe der aktiven

Atomkraftwerke wie Saporischjschja oder dem Atomkraftwerk Südukraine sind ein Spiel mit dem atomaren Feuer“, so die IPPNW-Vorsitzende Dr. med. Angelika Claußen. Die Stromunterbrechung könnte eine Kernschmelze auslösen, von der die Menschen in ganz Europa betroffen wären.
Gefährdet sind Atomkraftwerke schon dann, wenn wegen Kampfhandlungen das Stromnetz lahmgelegt wird – wie derzeit in Tschernobyl. Dessen letzter Reaktorblock wurde zwar 2000 stillgelegt, aber die 20.000 abgebrannten Brennelemente im Atommülllager müssen ständig gekühlt werden. Bei einer Unterbrechung der Stromversorgung droht eine »Freisetzung  radioaktiver Stoffe in die Umwelt«. Auch für die anderen Atomkraftwerke gilt: Wenn dann auch das Notstromaggregat nicht funktioniert, kann der Reaktor nicht mehr gekühlt werden — mit gravierenden Folgen. Selbst wenn der Reaktor nur beschädigt sein sollte und abgeschaltet würde, könnte er sich durch den Verlust von Kühlwasser so stark erhitzen, dass es zu Explosionen käme wie in Fukushima.
In Japan müssen die beschädigten Reaktoren seit 2011 ohne Unterbrechung mit Meerwasser gekühlt werden. Die Regierung hat dem Energieversorger TEPCO die Genehmigung erteilt, ab dem Frühjahr 2023 ca. 1,3 Millionen Tonnen radioaktiv-kontaminiertes Wasser in den Pazifik zu verklappen. Fukushima ist von jeglicher Normalität weit entfernt.  Seit nunmehr mehr als zehn Jahren untersucht die Fukushima Medical University in regelmäßigen Abständen die Schilddrüsen von Menschen, die zum Zeitpunkt des Super-GAUs in der Präfektur Fukushima lebten und unter 18 Jahre alt waren. Nach den jetzt vorgestellten Zahlen wurden allein im Zeitraum von 2014-1019 bei insgesamt 138 Kindern und Jugendlichen Krebs-
bzw. Krebsverdachtsfälle dokumentiert. Bezogen auf die 300.000 untersuchten Kinder und Jugendlichen wären in dieser Zeit aber nur ca. 11 erkrankte Kinder zu erwarten gewesen. Auch Fehlbildungen wie Hydrocephalus (Wasserkopf) haben durch die radioaktive Strahlung zugenommen. Verglichen mit den Daten vor dem Super-GAU findet sich in einer Studie von Prof. Yamada eine Erkrankungs-Zunahme um den Faktor 2,2 bis 4,7. In der Präfektur Saitama konnte aufgrund einer dortigen pädiatrischen Spezialabteilung sogar eine 20-fache Steigerung festgestellt werden.
„Die Lehren aus Fukushima sind weiter brandaktuell: Atomenergie ist nirgends sicher zu betreiben. Besonders der Blick auf die Ukraine, wo gerade die Atomkraftwerke im Land eine enorme Gefahr darstellen, sollte klarmachen: Allein Erneuerbare Energien können Energiesouveränität gewährleisten. Die Bundesregierung muss den Ausbau erneuerbarer Energien mit einem massiven Sofort-Notprogramm fördern“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. med. Angelika Claußen.
Den Artikel „Elf Jahre Fukushima – Die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe“ finden Sie unter https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Forum/169/Elf_Jahre_Fukushima_Forum-169.pdf
Quelle: IPPNW