Am 23. April wird in Torgau anlässlich des „Tages der Begegnung“ erneut eine Friedensdemonstration stattfinden. Der „Tag der Begegnung“ erinnert an das Zusammentreffen der Soldaten der Roten Armee und der US-Army am 25. April 1945 an der Elbe und ihren historischen Handschlag, der zum Symbol der Befreiung von Faschismus und Krieg wurde. Angesichts der Verbrechen des deutschen Faschismus schworen sie, alles zu tun, um künftige Kriege zu verhindern. In den vergangenen Jahren hatten die DKP, das Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden, der „RotFuchs“-Förderverein gemeinsam mit Friedensorganisationen am Jahrestag für Frieden mit Russland und China geworben. Angesichts des Krieges in der Ukraine und der massiven Hochrüstung von Bundeswehr und NATO gilt diese Losung jetzt erst recht. Der Auftakt zur Friedensdemonstration am 23. April in Torgau ist um 12 Uhr auf der Ostseite der Elbe am Fahnenmonument. Neben weiteren Rednerinnen und Rednern wird Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, in Torgau sprechen. Nähere Infos: torgau@dkp.de

Letztes Jahr erschien in der UZ zum „Tag der Begegnung“ das Interview „Aufschrei gegen Krieg“ mit Peter Bäß, evangelischer Pfarrer im Ruhestand aus Berlin und Mitglied der „Grenzübergreifenden Christlichen Friedenskonferenz“ (CFK). Er organisierte 1985 die erste Delegation der ehemaligen US- amerikanische Soldaten, der „Veterans for Peace“ (VfP).

 

UZ: Wie bist du zum ersten Mal mit dem Thema Torgau in Berührung gekommen?

130502 baess - Torgau: Aufschrei gegen Krieg - §dpa, §nfb, Antifaschismus, Friedenskampf, Geschichte der Arbeiterbewegung - Blog, DKP in Aktion
Peter Bäss

Peter Bäß: Das war 1985, als ich als Pfarrer der Nikodemus-Kirche in Berlin auf Initiative des Historikers Klaus Erler den Besuch der Delegation der „Veterans for Peace“ aus den USA in der DDR und Westberlin zum Anlass des 40. Jahrestages der Begegnung an der Elbe mitorganisierte. In dieser Delegation waren ehemalige Soldaten der US-Army, die gegen die Naziwehrmacht gekämpft und sich am 25. April 1945 in Torgau an der Elbe mit Soldaten der Roten Armee getroffen und an der von der SS im letzten Moment gesprengten Brücke die Hände gereicht haben. Dadurch bin ich mit diesem wichtigen historischen Ereignis in Berührung gekommen und es hat mich danach nicht mehr losgelassen. Es war der Moment, als sich einfache Soldaten der kämpfenden Truppe der Anti-Hitler-Koalition an der Elbe trafen, in den Armen lagen und schworen, dass so etwas wie dieser Krieg nie wieder geschehen dürfe. Die Offiziere der US-Army waren damals schon gegen diese Szenen der Verbrüderung der Soldaten, aber diese ließen sich nicht davon abhalten.

UZ: Einer von ihnen war der amerikanische Schütze Joe Polowsky, der berichtete: „Wir versprachen einander, dass die Nationen der Erde in Frieden leben sollten und müssten.“ Sein Grab, das sich in der Elbe-Stadt befindet, zeugt noch immer von seinem lebenslangen Engagement für Frieden und Versöhnung der Völker. Der Schwur von Joe Polowsky und seinen Kameraden ist eine eindringliche Mahnung.

Peter Bäß: Richtig, Polowsky hat das immer wieder betont, auch in den USA, womit er sich nicht nur Freunde gemacht hat. Er sprach sich damit eindeutig gegen die antikommunistische Politik McCarthys aus, die den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion und die mit ihr befreundeten Nationen betrieb. Damals wurde die Organisation der „Veterans for Peace“ gegründet, wozu Polowsky wesentlich mit beigetragen hat und zu der wir regen brieflichen Kontakt hatten.

Die VfP schickten eine Delegation zu den Feierlichkeiten anlässlich des 40. Jahrestages der Begegnung an der Elbe nach Torgau. Die Delegation kam nach Torgau auch noch nach Berlin und Westberlin, wo sie unter anderem das Sowjetische Ehrenmal in Treptow, aber auch das im Tiergarten und die Gedenkstätte in Plötzensee besuchten. Ich hatte damals die Aufgabe, das mit der Sowjetischen Militäradministration in der Botschaft der UdSSR zu klären. Diese hatte ja die Hoheit auch über das Ehrenmal auf Westberliner Seite.

UZ: Gut für euch damals, dass es diese grenzübergreifende Organisation CFK gab, denn die BRD oder Westberlin pflegten ja keine diplomatischen Beziehungen zur DDR.

Peter Bäß: Ja, das war sehr hilfreich, ich hatte darüber auch mit dem Theologen Heinrich Fink regen Kontakt, mit dem ich gemeinsame Besuche und Seminare in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald organisierte. Auch diesbezüglich waren wir intensiv zugange.

UZ: Waren die weiteren Mitglieder der Delegation der VfP ebenfalls so eingestellt wie Polowsky, der einer der Urväter des Schwurs an der Elbe, des „Spirit of the Elbe“ war? Dieser Schwur hatte mit dazu beigetragen, dass 1946 die UNO gegründet und dieser „Spirit“ fast wörtlich Eingang in die UNO-Gründungs-Charta gefunden hat.

Peter Bäß: Ja, die VfP sind laut ihres Statutes für das friedliche Zusammenleben der Völker und dafür, mögliche Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. Die Teilnehmer der damaligen Delegation hatten die furchtbaren Ereignisse des Krieges selbst mit erlebt und daraus erwuchs die Triebkraft ihres Engagements. Sie waren ganz klar für das Herunterfahren der Rüstung und gegen die Politik des Wettrüstens der USA. Friedliche und kooperative Beziehungen sollten zwischen den Regierungen herrschen, zwischen den Völkern sowieso. Als der Handschlag an der Elbe stattfand, trieben noch Leichen von Kriegsopfern den Strom herunter und er war ein Handschlag von „einfachen“ Leuten. Da waren keine hochrangigen Militärs oder Politiker mit dabei. Die einfachen Leute wollen keinen Krieg.

UZ: In der DDR haben zu den Jahrestagen der Begegnung an der Elbe am 25. April jeweils Gedenkveranstaltungen stattgefunden. An ihnen wie auch an der Beisetzung Joe Polowskys in Torgau war dein Kollege Heinrich Fink federführend mit beteiligt. Wie kam es dazu, dass Polowsky nach seinem Tod in Torgau beigesetzt wurde?

Peter Bäß: Joe Polowsky war von der Begegnung an der Elbe 1945 entscheidend geprägt. Er hat den „Spirit oft the Elbe“ in den USA immer wach gehalten, auch in Zeiten, in denen die Administration dort davon nichts mehr wissen wollte. In Chicago hat er jedes Jahr am Jahrestag, dem 25. August, dort auf einer Brücke eine Gedenkzeremonie und eine Friedenskundgebung abgehalten. In seinem Testament hat er verfügt, dass er nach seinem Tode in Torgau an der Elbe seine letzte Ruhestätte finden wolle. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Man hat ihm das seitens der Stadt Torgau und auch der DDR sehr hoch angerechnet. Sein Name wurde dort mit Straßenbenennungen und Schulbenennungen nach ihm dementsprechend geehrt.

Ein Gedenkstein am Ufer der Elbe trägt den Schwur, den er damals zusammen mit den sowjetischen Soldaten geleistet hat.

UZ: Nach dieser Geschichte mit der US-amerikanischen Delegation im April 1985 hat dich das Ereignis der Begegnung an der Elbe nicht mehr losgelassen Welche Bedeutung hat für dich heutzutage dieser Tag? Die DKP hat mit Unterstützern und befreundeten Organisationen den Elbe-Tag in den letzten Jahren wieder zum Leben erweckt. Heinrich Fink war sofort begeistert und war der Erste, der sich eine Fahrkarte für den Bus aus Berlin nach Torgau gekauft hat.

Peter Bäß: Den Tag der Begegnung an der Elbe zu begehen bedeutet einen jährlichen Aufschrei gegen Rüstung und Krieg, für kooperative und gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zwischen Nationen und Regierungen rund um den Globus. Der Tag hat somit eine globale Relevanz, was uns vielleicht vorher nicht so bewusst war.

Quelle: Unsere Zeit