Nachdem lange Zeit versucht wurde, die Präsenz einer neofaschistischen Szene in der Stadt klein zu reden, wird Kassel seit vier Wochen sichtbar mit dem Problem konfrontiert.

Schon Mitte April hat die VVN-BdA mit Sorge auf zunehmende Nazischmierereien reagiert. Damals hatte die Polizei noch eine Verbindung zu Symboliken hergestellt, die aus ganz Zusammenhängen stammten. Nun hat die Friedhofsverwaltung Alarm geschlagen, wie der Lokalpresse zu entnehmen ist. Auf dem Hauptfriedhof und in dessen Umfeld wurden in den vergangenen Tagen immer wieder Hakenkreuze, NS-Symbole, antisemitische Schriftzüge sowie weitere Schmierereien auf einer Gedenktafel, Wegen, Bänken und an Betriebsgebäuden hinterlassen. Am Wochenende zwischen dem 29. April und dem 1. Mai haben die Täter auf die Gedenktafel des Bombenopferfeldes einen durchgestrichenen Judenstern und den Schriftzug „Scheiß Jude“ geschmiert.

Nachdem der Stein aus Muschelkalk gereinigt worden war, wurden wenige Tage später erneut die Buchstaben „NS“ aufgebracht.

Eine solche Reihe von Schmierereien auf „Einzeltäter“ zurückzuführen, verbietet sich von selbst. Ob es sich bei den Tätern um militante Neonazis oder um Jugendliche, die sich über Maßnahmen der Friedhofsverwaltung geärgert haben, handelt, dürfte ebenfalls egal sein.

Wir erwarten eine ernsthafte Verfolgung dieser Straftaten. Gleichzeitig sollten wir gemeinsam deutlich machen: In dieser Stadt ist kein Raum für Neofaschismus, Antisemitismus und Rassismus.

gez. Dr. Ulrich Schneider
für die VVN-BdA, Kreisvereinigung Kassel