»Eine hochverräterische Tätigkeit im Dienst der illegalen KPL«

Die Nazis waren zuversichtlich, dass die Nacht- und Nebelaktion, die drei Tage nach dem Gnadenerlass des Gauleiters stattfand, durch den viele seit Monaten eingekerkerte Patrioten, darunter auch Kommunisten, freikamen, aber dann am 5. August erneut verhaftet wurden, Erfolg haben würde.

Im Vorfeld der Razzia hatte das Sonderkommissariat der Gestapo umfangreiche Ermittlungen durchgeführt, hatte aus Verhafteten Informationen über die kommunistische Resistenz herausgeprügelt und konnte sich auf die Angaben jenes Spitzels stützen, der zuvor einen Teil der Teilnehmer an der geheimen Konferenz der KPL an Pfingstsonntag 1941 im Steinseler Wald verraten hatte. Er hatte schon vor dem Krieg, als er dem Komitee der Sektion Esch/Alzette der KPL angehört hatte, als Polizeispitzel gearbeitet (was erklärt, dass besonders viele Kommunisten aus Esch Opfer der Razzia wurden).

Um 3.00 Uhr in der Nacht zum 5. August begann die Razzia, während der all jene, die laut Schutzhaftbefehl »eine hochverräterische Tätigkeit im Dienst der illegalen KPL« ausgeführt hatten, innerhalb von drei Stunden verhaftet werden sollten. SS und Wehrmacht umstellten erst die Wohnungen der Personen, die auf dem Gestapo-Verzeichnis standen, bevor die Häscher der Geheimen Staatspolizei in die Häuser eindrangen und die Resistenzler, sofern sie angetroffen wurden, festnahmen.

Die Verhafteten wurden in die Villa Seligmann, Sitz der Gestapo in Esch, gebracht, wo sie verhört, zusammengeschlagen und in vielen Fällen regelrecht gefoltert wurden, um Geständnisse und weitere Informationen über die kommunistische Resistenz und ihre »Rädelsführer« aus ihnen herauszupressen. Anschließend wurden sie auf Lastwagen verfrachtet und ins KZ Hinzert gebracht. Von da aus wurden viele mit dem Aktenvermerk »Rückkehr unerwünscht« in die Konzentrationslager Dachau, Gusen, Mauthausen, Natzweiler und Sachsenhausen verschleppt.

62 Verhaftungen innerhalb weniger Stunden

Bei der Razzia vom 5. August wurden von den 70 Männern (von denen sich bereits zwei in Haft befanden) und vier Frauen, die auf der Gestapo-Liste standen, innerhalb von wenigen Stunden 62 verhaftet.

Viele der Verhafteten hatten bereits vor dem 10. Mai 1940 der KPL angehört: Jacques Arnoldo (1922), Pierre Crelo (1935), Félix Cillien (10.9.1930), Heini Diederich (1939), Maria Demuth (1935), Franz Ewen (1935), Jacques Felten (1936), Pierre Fonck (1.7.1936), Alphonse Hostert (1.11.1934) Michel Lallemang (1932), Hubert Musmann (1937), Michel Malget (11.5.1934), Nicolas Pütz (November 1938), Antoine Schroeder (1.1.1934), Corneille Schmit (1935), Eugène Thomé (1939), Yvonne Useldinger-Hostert (28.2.1938) und Jean Nothar (1.3.1937).

Andere hatten sich nach dem Überfall der Nazis dem kommunistischen Widerstand angeschlossen, unter ihnen Jos. Bechberger, Jean Bero, Maria Bofferding-Schroeder, Charles Braun (8.6.1945), Emilio Gaudina, Gaston Gindt (1.1.1942), Victor Humbert (1.1.1942), Nicolas Leysen, Pierre Martin, Maisy Martin-Hartert, Joseph Meyer, Josef Moskelunas, Jean-Pierre Muller (19.4.1941), Nicolas Ney, Raymond Simonelli, Léon Thurm, Marcel Thurmes und Edmond Vogel. (34)

Zudem hatten die Nazis am 5. August 1942 eine Reihe Kommunisten verhaftet, die nicht auf der Gestapo-Liste standen: Benvenuto Gaudina (1937), Catherine Hostert-Koch (1937), Irma Kill (1937), Tania Thomé (1939) und Yvonne Urbany, die 19-jährige Tochter von Dominique und Claire Urbany.

Ein Teil der Resistenzler, deren Namen sich auf dem Gestapo-Verzeichnis befand, wurde erst während der nachfolgenden Tage verhaftet: Nicolas Peiffer (1939) am 8. August 1942, Jean Biever (1927) am 11. August 1942, Léon Steinmetz (1939) am 12. August 1942 und Alfred Bernard (1921) am 22. August 1942. Albert Wingert, Chef der Alweraje, wurde am 18. August 1942 verhaftet.

Die Suche nach den »kommunistischen Rädelsführern«

Durch einen glücklichen Zufall – die Gestapo hatte die Adresse verwechselt – konnten sich Nic. Moes und Jean Kill (der bei Nic. Moes illegal untergebracht war) am 5. August 1942 der Verhaftung entziehen. Arthur Useldinger, der seit Juli 1941 im Untergrund lebte und bei seinen Schwiegereltern Alphonse und Catherine Hostert in Differdingen untergebracht war, überstand die Razzia, versteckt in einem Fass im Kohlenkeller. Er machte sich während der Nacht zum 6. August 1942 auf zu einem neuen illegalen Versteck in Esch/Alzette. Dominique Urbany war seit Oktober 1940 in Brüssel untergetaucht. Die Nachforschungen des anschließend an die Razzia von der Gestapo nach Brüssel geschickten Verräters, der Urbany aufspüren sollte, blieben jedoch ohne Ergebnis.

Da es den Nazis nicht gelang, die führenden Köpfe der KPL zu verhaften, sahen sie davon ab, den bereits geplanten Schauprozeß gegen die »Rädelsführer« der KPL durchzuführen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek