Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“ Wie aktuell diese Worte von Rosa Luxemburg sind, zeigt sich gerade in Hamburg. Seit Jahren machen Krankenhausbeschäftigte auf die katastrophalen Zustände in den Kliniken aufmerksam und setzen sich für Krankenhäuser ein, die versorgen und nicht verdienen. Dass während einer Pandemie das zusammengesparte Gesundheitssystem in enorme Nöte gerät und die Situation für Beschäftigte und Patienten in den Krankenhäusern sich massiv zuspitzt, ist leider keine Überraschung. Im Gegenteil, seit Beginn der Pandemie rief die Hamburger Krankenhausbewegung die Politik dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um auf die zweite Welle vorbereitet zu sein.

Da die politisch Verantwortlichen die Einladungen der Beschäftigten zu Gesprächen ausschlugen, wandten sich Ende 2020 zahlreiche Beschäftigte aus verschiedenen Krankenhäusern an die Öffentlichkeit, um die tatsächlichen Zustände auf den Stationen transparent zu machen und einen unüberhörbaren Hilfeschrei auszusenden. So tat es auch Romana Knesevic, Pflegefachkraft, aktive ver.di-Vertrauensfrau und Betriebsrätin der Asklepios-Klinik St. Georg. In einem Interview des „Hamburg Journals“ berichtete sie von Patienten, die alleine sterben müssen, Personalschlüsseln von vier bis manchmal sogar fünf Intensivpatienten auf eine Pflegekraft und darüber, dass wichtige Zeit auch für Reinigungsarbeiten aufgewendet werden muss, da auch das Reinigungspersonal weggespart wurde.

Der Asklepios-Konzern reagierte sofort und heftig. Zuerst mit einem Interview des Intensiv-Chefarztes Dr. Bein, der alle Missstände leugnete, Romana als Lügnerin und unglaubwürdig darstellte und mehr als fragwürdige Argumente anführte. Obwohl sich gleich darauf viele Krankenhausbeschäftigte zu Wort meldeten und bestätigten, dass die geschilderten Zustände zuträfen – und das nicht nur an einer Klinik –, blieb Asklepios bei seiner Taktik. Der Konzern holte zum Gegenschlag aus und sprach Romana die Kündigung aus.

Am 1. Februar wird ihr Fall vor Gericht gehen, wobei sie bezichtigt wird, bewusst Falschinformationen veröffentlicht zu haben. Wenn sich der Klinikkonzern erhofft hatte, damit Romana und alle aktiven Widerständigen einschüchtern zu können, muss er nun das absolute Gegenteil erfahren. Seit Beginn des Jahres gibt es zahlreiche Solidaritätsbekundungen von anderen Betriebsgruppen, Anwohnervereinen, politischen Gruppen und anderen. Vor allem innerhalb der Belegschaft erfährt Romana derzeit enorme Unterstützung.

Um einen realen Anlaufpunkt zu haben und für noch mehr Öffentlichkeit zu sorgen, machen zahlreiche Beschäftigte nun eine Dauermahnwache vor der Asklepios-Klinik St. Georg. Die bietet eine gute Gelegenheit, ganz praktische Solidarität zu zeigen. Gespräche, gemeinsames Anpacken beim Aufbau oder auch Versorgung mit warmen Getränken machen den Rückhalt bei den Hamburgern erlebbar. Dabei geht es auch darum, die Forderungen nach mehr Personal beispielsweise auch bei der Reinigung, Miteinbeziehung der Beschäftigten in die Krisenstäbe und das Herunterfahren von elektiven OPs stark zu machen und unübersehbar für die politisch Verantwortlichen zu sein. Unterstützt durch eine Online-Petition werden der Asklepios-Konzern und der Hamburger Senat dazu aufgefordert, jetzt zu handeln. Zu handeln, um die Beschäftigten in den Krankenhäusern zu entlasten, zu handeln, um die Patienten bedarfsgerecht zu versorgen und zu handeln, um die Kündigung von Romana zurückzunehmen.

Die Möglichkeiten, Solidarität zu zeigen, sind vielfältig: Petition unterschreiben, spenden, Solidaritätsadresse senden, Tee vorbeibringen, das Thema in die eigenen Gruppen und Zusammenhänge tragen und vor allem sich gemeinsam mit den Beschäftigten für bessere Bedingungen im Krankenhaus einsetzen. Dem Versuch der Einschüchterung, Spaltung und Unterdrückung müssen wir mit Solidarität entgegentreten, um ein Stück stärker zu werden für die Kämpfe, die da noch kommen.

Quelle: UZ – Unsere Zeit – Solidarität mit Romana