Im Schatten der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fanden am vergangenen Sonntag im Bundesland Hessen Kommunalwahlen statt. Hierbei hatte die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) im Kreis Groß-Gerau eine historische Hochburg zu verteidigen: Die Städte Mörfelden und Walldorf waren schon in der Weimarer Republik Bollwerke der KPD, seit 1977 bilden sie eine gemeinsame Gemeinde mit rund 35.000 Einwohnern. Auch die nach zwölf Jahren KPD-Verbot in der BRD 1968 zugelassene DKP konnte sich in Mörfelden und Walldorf etablieren, bei Wahlen trat sie zuletzt mit den Zusatzbezeichnungen „Offene Liste“ und „Linke Liste“ (und unter Einschluss von Aktivisten der Partei Die Linke) an – und dies mit Erfolg: Bei der Wahl am 14. März 2021 erreichte die DKP/LL nun 10,79 Prozent der Stimmen und (voraussichtlich) fünf Mandate in der Stadtverordnetenversammlung. Dies bedeutet gegenüber 2016 zwar ein Minus von drei Prozentpunkten, doch ein zweistelliges Ergebnis ist immer noch mehr als ansehnlich unter den gegebenen schwierigen Bedingungen.

Denn insgesamt gab es auch bei den Wahlen in Mörfelden-Walldorf einen deutlichen Trend zu den Grünen, die mit 31,72 Prozent erstmals stärkste Partei wurden. Dies impliziert gleichzeitig einen historischen Absturz der seit Jahrzehnten dominierenden SPD, die nur noch auf 18,18 Prozent kam und auch von der CDU überholt wurde (20,88 Prozent). Somit steht auch eine Wachablösung bevor: Die beiden Wahlsieger können sich mit ihrer Mehrheit zusammentun, zumal auch die Freien Wähler, bisher Juniorpartner der SPD, ein relatives Debakel erlebten und halbiert wurden (10,40 Prozent). Die FDP kam auf 8,03 Prozent. Diese vorläufigen Resultate könnten sich zwar noch geringfügig ändern, doch Gravierendes wird nicht mehr geschehen. Und dies bedeutet so ganz nebenbei: Die DKP/LL ist in Mörfelden-Walldorf nun viertstärkste Kraft und trotz des grünen Trends am Südende des Frankfurter Flughafens die Partei, der die bewusste Arbeiterklasse vertraut. Es sind die Kommunistinnen und Kommunisten, die das rote Banner in dem traditionsreichen Ort der Arbeiterbewegung hochhalten, in dem 2013 auch der richtungsweisende 20. Bundesparteitag der DKP stattfand.

Die DKP/Linke Liste schreibt zum Wahlausgang:

Wer nicht hören will, muß fühlen. Die SPD war nach Kriegsende jahrzehntelang absolute Mehrheitspartei, dann lange Zeit noch stärkste Partei. Seit zwei Wahlzeiten hatte sie dickköpfig und selbstzerstörerisch darauf hingearbeitet, auch diesen Status noch zu verlieren. Jetzt haben die Wähler Wachablösung befohlen. Stärkste Partei sind von nun an die Grünen. Die SPD ist nur noch drittstärkste Partei. Der Koalitionspartner Freie Wähler, von dem sich die SPD auf diesen Kamikaze-Kurs hatte drängen lassen, hat sich halbiert und belegt nur noch Platz 5. Das ist jedenfalls das vorläufige Ergebnis einer langen Wahlnacht, nach Auszählung derjenigen Stimmzettel, die einfach nur mit einem Listenkreuz versehen waren. Die Auszählung der Stimmzettel, auf denen Wähler panaschiert und kumuliert haben, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Ob es am Ergebnis noch viel verändern wird, werden wir sehen, wenn die Wahlhelfer diese Plackerei beendet haben.

Wir danken den Wählern, die gegen alle grünen und anderen Verlockungen auch dieses Mal der DKP / Linke Liste die Treue gehalten haben. Nach dem krachenden Bauchplatscher der bisherigen Koalition liebäugeln die CDU und (leider) auch viele Grüne mit einer Koalition à la Wiesbaden. Es wird schwer werden, das linke politische Klima, das Mörfelden-Walldorf so lange geprägt hat, unter solchen Umständen am Leben zu erhalten. Packen wir’s an!

Quelle: DKP – Linke Liste

Quelle: Zeitung der Arbeit – DKP bleibt in hessischer Hochburg zweistellig