Die Tarifrunde für die rund 214.000 Beschäftigten im Berliner und Brandenburger Einzelhandel beginnt am 25. Juni 2021. „Wir erwarten eine schwierige Verhandlungsrunde, bislang ist nicht erkennbar, dass die Arbeitgeber ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen wollen. Auch bei den schon laufenden Tarifrunden in anderen Bundesländern haben die Arbeitgeber viel zu geringe Angebote vorgelegt. Daher hat es dort bereits zahlreiche Streiks im Einzelhandel gegeben. Mit dem, was derzeit auf dem Tisch liegt, müssten die Beschäftigten bei einer derzeitigen Preissteigerung von derzeit mindestens 2,5 Prozent sogar erhebliche Reallohnverluste hinnehmen. Das ist ernüchternd für die Beschäftigten, die in der Pandemie weit mehr als das Übliche geleistet haben, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern wie Nahrungsmitteln oder Toilettenpapier sehr gut zu versorgen“, sagt Conny Weißbach, zuständige ver.di-Fachbereichsleiterin Handel und Verhandlungsführerin.

Die ver.di-Tarifkommission wird am kommenden Montag, dem 21. Juni 2021 eine bilderstarke Öffentlichkeitsaktion unter dem Motto „Impfkampagne gegen Altersarmut“ durchführen, mit der auf die Situation im Einzelhandel aufmerksam gemacht werden soll. Die Aktion findet am Montag in der Zeit ab 12.00 Uhr in der Steglitzer Schloßstraße statt. Beginn ist vor dem vor dem Forum Steglitz in der Schloßstraße Nr. 1 (am U-Bahnhof Walter-Schreiber-Platz). Mit der Aktion soll Kundinnen und Kunden aber auch Beschäftigten klargemacht werden, was droht, wenn die Löhne niedrig bleiben und nicht der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung folgen: Es droht den Beschäftigten – übrigens mit über 70 Prozent Frauen – Altersarmut. Wenn dann noch berücksichtigt wird, dass der größte Teil der Beschäftigten nur in Teilzeit arbeitet, wird die Dimension des Problems deutlich. „Der Wirkstoff gegen Altersarmut ist eine angemessene Tarifspritze mit einer tabellenwirksamen Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent plus 45 Euro“, sagt Conny Weißbach.

Im Einzelhandel – etwa die Lebensmittel- oder die Möbelbranche – sind Rekordumsätze erzielt worden. Insgesamt hat der Umsatz im Einzelhandel 2020 um mehr als fünf Prozent zugelegt. „Daher werden wir nicht weiter zulassen, dass es immer noch Kolleginnen und Kollegen gibt, die Vollzeit arbeiten und später keine auskömmliche Rente erhalten“, so Conny Weißbach, Verhandlungsführerin und ver.di-Fachbereichsleiterin Handel. „Diesen untragbaren Zustand wollen wir in dieser Tarifrunde beenden.“

ver.di fordert für die Tarifrunde Einzelhandel 2021 eine Erhöhung der Löhne und Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent plus eines Festbetrages von 45 Euro pro Monat. Außerdem setzt sich die Gewerkschaft für ein rentenfestes Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde ein. Zudem will ver.di erreichen, dass die Tarifverträge des Einzelhandels für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dies würde endlich für mehr Lohngerechtigkeit und für gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Branche sorgen. Die Tarifverträge sollen eine Laufzeit von 9 Monaten haben.

Quelle: ver.di Berlin-Brandenburg – Auftakt Tarifrunde Einzelhandel: Impfkampagne gegen Altersarmut